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Blasenkrebs

Allgemeines

Der HarntraktAbb. 1: Der Harntrakt Blasenkrebs ist mit geschätzten 29000 Neuerkrankungen pro Jahr in Deutschland die fünfthäufigste bösartige Tumorerkrankung des Menschen und nach dem Prostatakrebs die zweithäufigste Krebserkrankung in der Urologie. Männer sind dreimal häufiger betroffen als Frauen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit dem Lebensalter kontinuierlich an, kann aber auch schon Menschen im 2. oder 3. Lebensjahrzehnt  treffen, insbesondere dann, wenn Risikofaktoren vorliegen (s.u.). Strenggenommen gehören auch Nierenbecken-, Harnleiter- und Harnröhrenkrebs in diese Gruppe, denn der Ursprungsort ist immer die Schleimhautschicht,  das Urothel , das wie eine Tapete den gesamten Harntrakt von den Nieren über die Harnleiter und die Blase bis zur Harnröhre auskleidet (siehe Abb. 1). Man spricht daher auch von Urothelkarzinomen. Da sich über 90% des Urothels in der Harnblase befinden, entstehen hier folglich auch die meisten Karzinome.

 

Ursachen

Die Ursachen für die Entstehung von Urothelkarzinomen sind recht gut bekannt: mit dem Urin werden Schadstoffe ausgeschieden, die dann in direktem Kontakt mit dem Urothel  dieses schädigen. An erster Stelle ist hier das Zigarettenrauchen zu nennen. Es ist mittlerweile eine Vielzahl von krebserregenden Stoffwechselprodukten des Nikotins bekannt. Hierzu gehören u.a. die hochgefährlichen Nitrosamine, die in der Vergangenheit auch in vielen Lösungsmitteln vorkamen und dazu geführt haben, dass Blasenkrebs in bestimmten Berufsgruppen wie z.B. Lackierern oder Chemiearbeitern als Berufskrankheit anerkannt wird. Man geht davon aus, dass 30 – 70% aller Blasenkrebsfälle Folge des Rauchens (und Passivrauchens!) sind. Das Fatale daran ist, dass zwischen dem Beginn der Schadstoffexposition und dem Beginn der Krebsentstehung oft Jahrzehnte liegen. Daher erreichen Ex-Raucher auch erst nach Jahrzehnten wieder dasselbe niedrige Risikoniveau von Nichtrauchern.

 

Diagnostik

Blasentumor im UltraschallAbb. 2: Blasentumor im Ultraschall Alleiniges Frühsymptom eines Blasentumors ist sichtbares (Rotfärbung des Urins) oder nur durch Teststreifen nachweisbares Blut im Urin. Oft fehlt dieses Symptom jedoch völlig oder tritt erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf, so dass regelmäßige und vollständige Krebsfrüherkennungsuntersuchungen, wie sie von uns angeboten werden, wichtig sind. Auf keinen Fall darf Blut im Urin einfach ignoriert werden, sondern muss Anlass für eine zeitnahe und umfassende Diagnostik sein. Diese besteht in der Regel neben weiterführenden Urinuntersuchungen in einer Ultraschalluntersuchung von Nieren und Harnblase (siehe Abb. 2) und ggf. einer Kontraströntgenuntersuchung der Nieren sowie einer Blasenspiegelung.

Besonders die Angst hiervor hat in der Vergangenheit sicherlich oft das rechtzeitige Aufsuchen eines Urologen verzögert oder gar verhindert. Der Einsatz moderner, dünner und biegsamer Instrumente nebst einer sorgfältigen örtlichen Betäubung der Harnröhre durch ein Gel, wie es bei uns Standard ist, sollte heute jedoch keinen Grund mehr darstellen, auf diese möglicherweise lebensrettende Diagnostik zu verzichten.

 

Behandlung

Stadieneinteilung beim BlasentumorAbb 3: Stadieneinteilung beim Blasentumor Die Behandlung richtet sich, wie bei anderen Tumorarten auch, ganz entscheidend nach dem Tumorstadium. Wie erwähnt, entstehen Blasentumore aus der inneren Schleimhautschicht. 80% bleiben auch dort, ohne in die tieferliegenden Bindegewebs- oder Muskelschichten der  Blasenwand einzudringen (siehe Abb. 3). Es handelt sich hierbei fast ausnahmslos um relativ wenig aggressive Tumore (Ausnahme ist das sog. „Carcinoma in situ“).

Abhobelung eines BlasentumorsAbb. 4: Abhobelung eines Blasentumors Die Behandlung besteht in der Abtragung des Tumors in Narkose durch die Harnröhre mit Hilfe einer elektrischen Schlinge (TUR-Blase, siehe Abb. 4) im Rahmen eines kurzen Krankenhausaufenthaltes oder, bei  kleinen Tumoren, ambulant in unserem OP. Bei etwa der Hälfte der Patienten ist die Erkrankung damit definitiv geheilt, bei den anderen 50% treten die Tumore an gleicher oder anderer  Stelle in der Blase wieder auf und müssen dann wiederum durch die Harnröhre entfernt werden. Anschließend wird dann in 4-wöchentlichen Abständen über einen Zeitraum von einem Jahr ein Medikament über einen dünnen Katheter in die Blase gegeben, um das Risiko eines erneuten Wiederauftretens zu verringern. In jedem Fall sind regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen notwendig.

HarnableitungsverfahrenAbb. 5: Harnableitungsverfahren Handelt es sich hingegen um aggressive Tumore, die in  tiefergelegene Schichten eingewachsen sind, reicht eine alleinige Abhobelung durch die Harnröhre nicht aus. Sie dient dann nur zur Diagnostik. In diesen Fällen muss die Harnblase anschließend durch eine Schnittoperation vollständig entfernt werden. Der Urin wird anschließend über einen Beutel oder aber in eine aus Dünn- und Dickdarmteilen konstruierte neue Blase („Neoblase“)  abgeleitet, die an die Harnröhre angeschlossen werden kann. Hierfür gibt es eine Reihe verschiedener Operationstechniken (siehe Abb. 5).  In sehr fortgeschrittenen Fällen ist anschließend noch eine Chemotherapie nötig, die in unserer Praxis durchgeführt werden kann.

 

Nachsorge

Wie oben geschildert, ist eine sorgfältige Nachsorge bei Blasentumoren wichtig, um ein Wiederauftreten (Rezidiv) rechtzeitig erkennen und behandeln zu können. Die Nachsorge richtet sich nach den Empfehlungen der Deutschen Krebsgesellschaft und beinhaltet in der Regel Urin- und Ultraschalluntersuchungen sowie eine Blasenspiegelung. Je nach Ausgangslage kann auch in bestimmten Abständen eine Röntgenuntersuchung dazukommen. Bei Patienten, deren Blase entfernt wurde, richtet sich die Art der Untersuchungen nach dem gewählten Operationsverfahren. Die Kontrollintervalle betragen in der Regel zunächst 3 Monate und können – Rezidivfreiheit vorausgesetzt – im Laufe der Zeit sukzessive verlängert werden, sollten jedoch einmal  jährlich lebenslang fortgesetzt werden, da auch das Krebsrisiko lebenslang erhöht bleibt.

 

Vorbeugung

Die wichtigste und effektivste Vorbeugung gegen Blasenkrebs ist und bleibt – das Rauchen aufzugeben! Das Zweitwichtigste: nehmen Sie auch schon in jüngerem Lebensalter unser Früherkennungsprogramm in Anspruch. Es kostet wenig und kann Leben retten!

 


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